Abteilung Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie

1. Streifenanbau von Raps und Weizen

 

 

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Ackerbauern gesucht!

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Streifenanbau:

Die Felder im Ackerbau werden seit Jahrzehnten stetig größer, um Produktionskosten zu senken. Viele Tierarten, deren Überleben auf der Nachbarschaft verschiedener Ackerkulturen basiert, werden seltener und die Artenvielfalt sinkt.

Wir möchten analysieren, ob der Anbau von Weizen und Raps in abwechselnden Streifen auf einem Feld die Artenvielfalt erhöhen kann. Die Streifen lassen sich in der Praxis mit automatischen Lenksystemen zentimetergenau und kostengünstig auf einem Acker anlegen. Sinnvoller Weise haben sie die Arbeitsbreite des Düngerstreuers und der Pflanzenschutzspritze auf dem Betrieb. Agrarökologen und Agrarökonomen werden auf Praxisflächen mit und ohne Streifenanbau die Artenvielfalt bei Insekten und Vögeln vergleichen. Zudem werden Insektizidspritzungen, Ertrag und Produktionskosten sowie Ökosystemdienstleistungen wie biologische Schädlingsbekämpfung und Bestäubung erhoben.
Eine Vorstudie mit drei Landwirten im nördlichen Harzvorland hat mit der Aussaat 2018 begonnen.

 

Luftbild        Schlepper mit Drille        Rapsstreifen auf Monitor        Drille Breustedt
 Hof Graubunden 2  Hof Graubunden  Gut Grauhof Versuchsfeld  Kloster und Streifen
  Foto: Uwe Epping                          Foto: Uwe Epping

 

Ackerbauern für Streifenanbau gesucht! Kontakt

 

Insekten:

Wir erhoffen uns von dem Streifenanbau mehr Insekten auf dem Acker. Sowohl die Anzahl der Arten als auch die Zahl der Insekten sollten höher sein als im Durchschnitt über einen reinen Raps- und einen reinen Weizenacker.
Die Felder im Ackerbau werden seit Jahrzehnten stetig größer, um Produktionskosten zu senken. Die Artenvielfalt und assoziierte Ökosystem-Dienstleistungen leiden darunter, dass die Ackerlandschaft auf diese Weise eintöniger wird. Viele Tierarten, deren Überleben auf der Nähe verschiedener Ackerkulturen basieren, werden seltener und die Artenvielfalt sinkt. Stichwort: Insektensterben.

Schwebfliege

Seit einigen Jahren wird in der Wissenschaft diskutiert, wie durch unterschiedliche Zusammensetzung (Komposition) und Anordnung (Konfiguration) von Agrarflächen die Artenvielfalt erhöht werden kann – ganz ohne Hinzunahme von naturnahen Lebensräumen, deren Bereitstellung mit einem Verlust an landwirtschaftlicher Fläche einherginge (Fahrig et al. 2011, Ecol Letters). In aktuellen Arbeiten zeigten zum Beispiel Batary et al. 2017 (Nature Ecol Evol), dass kleine Ackerflächen rund 50% mehr Arten aufweisen als große Ackerflächen. Hass et al. (2018, Proc Roy Soc B) belegten in ihrer Arbeit, dass kleine Felder mehr Bienenarten und eine bessere Bestäubung ermöglichen. Zudem zeigten sie, dass die Bienen sich entlang von Rändern fort bewegen und so eine Vernetzung von Flächen ermöglichen – auch wenn nur Acker an Acker angrenzt, ganz ohne naturnahe Randstreifen.

Referenzen:
Batary et al. 2017. The former Iron Curtain still drives biodiversity – profit trade-offs in German agriculture. Nature Ecology & Evolution. DOI: 10.1038/s41559-017-0272-x

Fahrig, L. , Baudry, J. , Brotons, L. , Burel, F. G., Crist, T. O., Fuller, R. J., Sirami, C. , Siriwardena, G. M. and Martin, J. (2011), Functional landscape heterogeneity and animal biodiversity in agricultural landscapes. Ecology Letters, 14: 101-112. doi:10.1111/j.1461-0248.2010.01559.x

Hass et al. 2018. Landscape configurational heterogeneity by small-scale agriculture, not crop diversity, maintains pollinators and plant reproduction in western Europe. Proc. R. Soc. B 285: 20172242. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2017.2242

 

Biologische Schädlingsbekämpfung:

Es wird auch untersucht, ob durch den kleinräumigen Wechsel von Raps und Weizen, die Ausbreitung und Vermehrung von Rapsglanzkäfern und Läusen reduziert werden kann.

RGK     Blattläuse  Foto: Carsten Thies

 

Partner:

Das Projekt „Streifenanbau“ wird von den Universitäten Kiel und Göttingen geleitet und durchgeführt. In Kiel ist Dr. Gunnar Breustedt von der Abteilung „Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie“ beteiligt und in Göttingen Prof. Teja Tscharntke von der Abteilung „Agrarökologie“.

Uni Kiel

Uni Göttingen

 

Ein solches Forschungsprojekt auf Praxisbetrieben ist ohne fördernde und engagierte Partner nicht umsetzbar. Wir möchten uns daher bei unseren Projektpartnern herzlich bedanken.

Die Vorstudie 2018 wird von der Firma Cargill und der Stadt Goslar finanziell unterstützt. Die beiden Universitäten bringen Eigenmittel ein. Die voraussichtlichen Kosten für die Landwirte werden zu einem großen Teil aus den Projektmitteln ausgeglichen. Allerdings verbleibt ein unkalkulierbarer Rest, auf dessen Ausgleich die Landwirte freundlicher Weise verzichten.

Cargill

Stadt Goslar

 

Eine Studie mit mindestens 15 Flächen im Streifenanbau ist für die Aussaat 2019 geplant.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt die Folgestudie mit 70.000 €.

DBU 

Ackerbauern für Streifenanbau gesucht! Kontakt

 

Wir suchen Landwirte, die eine Streifenfläche und zwei Referenzflächen anbauen möchten. Nach Möglichkeit im Umkreis von 1-2 Autostunden um Göttingen. Sprechen Sie uns bei Interesse bitte gern an. Kontakt

 

Presse:
 

Land und Forst               Land und Forst
Land und Forst vom 03.05.2019                                            Land und Forst vom 16.05.2019
 

Goslarsche Zeitung
Goslarsche Zeitung vom 27.04.2019
 

Goslarsche Zeitung       Goslarsche Zeitung
Goslarsche Zeitung vom 29.04.2019                                                   vom Februar 2019

 

Kontakt:

Wenn Sie Fragen zum Streifenanbau haben oder als Ackerbauer in unserem Projekt den Streifenanbau ausprobieren möchten, schreiben Sie uns bitte eine Email oder rufen Sie bitte an.

PD Dr. agr. Gunnar Breustedt

 
G. Breustedt

     Wissenschaftlicher Mitarbeiter

     Wilhelm-Seelig-Platz 6, R.103

     Mobil: 0171 7732 757

     gunnarbreustedt@gmx.de

 

Die Effekte des Streifenbaus Projekt (Raps-Getreide) müssen wissenschaftlich ausgewertet werden können. Daher müssen die Flächen bestimmte Anforderungen erfüllen. Diese Anforderungen können sich aufgrund der Erfahrungen, die wir in diesem Frühjahr 2019 in einer Vorstudie bereits machen, noch etwas ändern.

Es wird Ihnen eine pauschale Entschädigung in Höhe von 1000 Euro je Streifenfläche gezahlt.

Die Anforderungen sind bisher wie folgt geplant:

  • Es muss sich um konventionellen Ackerbau handeln.
  • Jeder Streifen sollte gleich breit (zwischen 12 und 36 m Arbeitsbreite) sein.
  • Die Länge der Streifen sollte mindestens 120 m betragen. Das Vorgewende und der äußere Rand sollten mindestens in der üblichen Breite mit der Hauptkultur (z.B. Raps oder Getreide) auf dem Feld angelegt werden.
  • In die Hauptkultur müssen mindestens 4 Streifen mit der anderen Kultur hineingedrillt werden, die von drei Streifen der Hauptkultur getrennt werden. Außen ist die Fläche also mit der Hauptkultur bestellt und dann folgen abwechselnd vier Mal die zweite Kultur und die Hauptkultur. Ob Raps oder Getreide als Hauptkultur gewählt wird, ist egal.
  • Es müssen zwei Vergleichsflächen mit reinem Raps- bzw. Getreideanbau in räumlicher Nähe (bis ca. 1 km Luftlinie) und ähnlichen Randstrukturen (Wald, Hecke u.ä.) vorhanden sein. Vergleichs- und Streifenfläche können auf dem selben Feld liegen.
  • Die Vergleichsflächen müssen hinsichtlich Sorte, Bodenbearbeitung, Drillzeitpunkt, Herbizid- und Insektizidanwendungen so ähnlich wie irgendmöglich mit der Streifenfläche gefahren werden.
  • Über die mittleren vier Streifen muss quer ein 10-15 Meter langes Fenster ohne Insektizidspritzungen im Frühjahr gelegt werden. Bitte zwischen 10 und 20 Meter entfernt vom Vorgewende. In den Referenzflächen muss ebenfalls jeweils ein entsprechendes Spritzfenster angelegt werden.
  • Die Aufzeichnungen der Ackerschlagkartei müssen nach der Ernte übermittelt werden.
  • Es sollten nach Möglichkeit elektronische Ertragserfassungen vom Mähdrescher für die Streifenfläche zur Verfügung gestellt werden.
  • Die Flächen müssen mehrfach für Zählungen von Insekten und zur Vorbereitung der Zählungen von Studierenden oder Universitätsmitarbeitern betreten werden.
  • Nach der Ernte wird eine pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 1000 Euro (inkl. Umsatzsteuer) je Streifenfläche gezahlt.

 

Anforderungen für Streifenanbau PDF-Datei

 

Gut Grauhof Kloster und Streifen

 

Fotos ohne Hinweis sind von privat.